Mein Berufswechsel: Kopf vs. Gefühl

Wann stellt man sich das erste Mal die große Frage: „Was möchte ich einmal werden?“ Und; kann man diese Frage ehrlich beantworten? Bzw. wie geht man damit um, wenn man es dann endlich glaubt zu wissen?

Ich ging in der Unterstufe ins Musikgymnasium. Weil es mein Traum war, zu singen oder Musik zu machen? Wohl eher nicht… Meine große Schwester war dort, also ging ich auch hin. Ganz ehrlich: die Volkslieder im Chor gingen mir ziemlich auf die Nerven und ich konnte mir auch Spannenderes vorstellen, als jede Woche zu meinem Querflöten-Unterricht zu gehen. 😉
Ok, irgendwie überstanden, kam danach die Oberstufe, ich habe mich für einen Informatikschwerpunkt entschieden, warum weiß ich nicht mehr. Es war „eh ok“ – so wie die Schule halt die meisten Schüler interessiert, denke ich.

„Was möchte ich einmal werden?“

Dann aber kam wirklich diese große Frage: „Was werde ich jetzt nach der Schule machen? Was will ich denn später wirklich werden?“ Die Ernüchterung: Ich wusste es nicht! Es gab einige Mitschüler, die scheinbar so viele Interessen hatten, dass sie gar nicht wussten, für welches Studium sie sich entscheiden sollten! Tja, bei mir war es umgekehrt: Ich wusste nicht wirklich, was mich so interessiert, dass ich mich wirklich ein paar Jahre im Studium damit beschäftigen will. Irgendwie war aber klar, dass ich studieren gehe. Ich hatte folgende Punkte im Kopf: ich hatte bereits einen Informatikschwerpunkt, Frauen in der Informatikbranche sind gefragt und man braucht sich in dieser Branche mal sicher keine finanziellen Sorgen machen. Außerdem bin ich strukturiert und analytisch usw.. Na gut, eine reine Kopfentscheidung; ich landete also in einem Informatik-ähnlichen Studium. Ich habe alles so hingenommen, wie es eben war. Vorwiegend trocken, oft langweilig, dann wieder sehr herausfordernd und schon auch teilweise interesssant. Ohne je darüber nachzudenken, habe ich das Studium bis zum Ende durchgezogen.

Ok, jetzt hatte ich vier Jahre studiert; als nächstes hieß es einen Job zu suchen. Bevor ich studieren ging, wusste ich ja bereits, dass man hier leicht einen Job findet. Genau so war es; ich habe zwischen mehreren Angeboten eine Stelle gewählt und habe begonnen dort zu arbeiten. (Falls das alles bei dir alles emotionslos ankommt: mir geht’s grad ganz gleich 😉

Der Moment, in dem ich es erkannt habe

Ich kann mich noch ganz genau erinnern, als ich in der U-Bahn Station Landstraße in Wien stand, auf dem Heimweg von der Arbeit: Ich habe mit meiner Mama telefoniert und habe zu ihr gesagt: „Ja, es ist eh ok, aber ich werde in diesem Job bestimmt nicht alt!“ Hm, das war er also; der Moment, an dem ich endlich zugelassen habe zu erkennen, dass ich vier Jahre das Falsche studiert habe und es jetzt gerade ausbade…

Was habe ich damit gemacht? Zuerst mal gar nichts, ich dachte mir, ich kann ja nicht 4 Jahre studieren, um dann nach ein paar Monaten im Job alles hinzuschmeißen! Nach einiger Zeit und auch schon in meinem nächsten IT-Job in der Nähe von Graz, habe ich dann einen Massage-Basis Kurs in Form von berufsbegleitenden Wochenendblöcken gemacht.

Der Moment, in dem ich es gespürt habe

In diesem Kurs habe ich das Gefühl bekommen, etwas gefunden zu haben, was für mich wirklich passt! Etwas zu tun, worin ich richtig Spaß habe, was mich interessiert, wo ich meine volle Aufmerksamkeit hinlenken kann und was alles andere in diesem Moment ausblendet. Das Gefühl, wie es ist, wenn man seine Arbeit sinnvoll findet, die Neugierde, was noch kommt und auch die Herausforderung, wie man die eigenen Hände, die Umgebung, die Aufmerksamkeit und Freude einsetzen kann, um anderen Menschen zu helfen.

Und was habe ich mit diesem Moment gemacht? Ich blieb in meinem IT Job und habe nebenbei ein bisschen massiert. In meinem Kopf sprachen etliche Punkte gegen einen Berufswechsel, doch mein Kopf konnte mein Gefühl irgendwann nicht mehr unterdrücken. Nach weiteren JAHREN (mit viel Grübeleien und viel Hin und Her) habe ich schlussendlich den medizinischen Masseur und den Heilmasseur vollendet! Auch wenn ich lange gebraucht habe, endlich dorthin zu kommen, wo ich sein will; alles war Teil meines Weges und alles hatte seine Berechtigung.

Ich bin unendlich dankbar, dass ich das gefunden habe, was ich wirklich tun will und dass ich es vor allem auch durch die Unterstützung meiner Familie umsetzen konnte!

Es kann leicht sein, dass es mich auch in diesem Bereich immer weiter treiben wird und ich kann nicht wissen, was ich in 5 Jahren genau mache. Aber ich weiß, dass ich trotz neuer Problemchen (Selbstständigkeit usw.) in jeder Sitzung aufs Neue erfahre, dass es das ist, was ich jetzt gerade machen will. HERRLICH… 🙂

2019-01-03T20:51:21+00:00